Wem gehört die Stadt?
Eine Ausstellung im öffentlichen Raum in Charlottenburg mit Werken von
Vlad Brăteanu, Mirja Busch, Leonardo Flores, Lena Maria Loose und Fabian Schubert.
31.7. - 11.8.2026
Gemeinsame Fahrradtour am 2. August um 15 Uhr. Treffpunkt Guericke- Ecke Marchstraße
Die Kunstwerke sind zu sehen auf Plakatwänden in der Guerickestraße 21-25 (Leonardo Flores), in der Quedinburgstr. 2 (Lena Maria Loose) auf zwei Wänden in der Quedlinburgstraße 15 (Vlad Brăteanu, Fabian Schubert) und in der Kaiserin-Augusta-Allee 33 (Mirja Busch).
Plakatwände befinden sich an den unterschiedlichsten Orten: in der Umgebung von Haltestellen, in Wohn- oder Industriegebieten, In Einfahrten, neben Supermärkten oder Parkplätzen. Wem gehört die Stadt? Ist eine Ausstellung im öffentlichen Raum. Die beteiligten Künstler*innen beschäftigen sich auf verschiedenste Weise mit diesem Raum, seiner Nutzung, den soziokulturellen Bedingungen und der gebauten Architektur. Das Format ermöglicht es den Künstler*innen, ihre Werke in einem großen Format einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Die von Vlad Brăteanu gestaltete Plakatwand trägt die Aufschrift „Die Container sind immer grüner auf der anderen Seite“. Er bezieht sich einerseits auf die Container direkt hinter der Plakatwand, andererseits auf die Container auf der anderen Straßenseite. Diese grünen Container werden von den Arbeiter*innen der Baustelle von HEY Charlottenburg genutzt. HEY baut zahlreiche Eigentumswohnungen die mit Slogans wie „grüne Oase“ beworben werden. Im Norden von Charlottenburg gibt es aktuell eine hohe Armutsrate. Dieses Wohnprojekt wird zu einer großen sozialen Unausgewogenheit führen.
Pfützen kommen und gehen. Mal anwesend, mal abwesend, entstehen sie jedoch nicht an beliebigen Stellen als zufällige Wasseransammlungen. Pfützen haben feste Orte, die sie bewohnen und mitgestalten. Sie sind immer auch die Mulde, die Senke, die Rille oder das Loch, in denen sie sich einnisten. Mirja Busch beschäftigt sich seit langer Zeit mit Pfützen. Auf zwei Plakatwänden sind jeweils ein Foto desselben Hinterhofs zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu sehen: Eins davon zeigt eine anwesende Pfütze, das andere die abwesende Trockenpfütze. Mirja Buschs Fotografien eröffnen den Betrachter*innen eine neue Perspektive auf Wasser in der Stadt und fördern eine neue Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Pfützen.
Leonardo Flores sammelt für seine Serie „Ephemeral Sculptures“ (vergängliche Skulpturen) Beobachtungen aus dem Alltagsleben. Seine Fotografien entstehen an unterschiedlichen Orten auf der Welt. Die kurzlebigen Skulpturen sind Spuren menschlicher Interaktion mit Alltagsgegenständen im urbanen Raum. Es sind zufällige Konstellationen und flüchtige Details, die unbeabsichtigt entstanden sind. Die Fotografie auf der Plakatwand zeigt ein rundes Fladenbrot auf Asphalt. Es wirkt fast wie ein Planet im Weltall.
Lena Maria Looses Fotografie eröffnet einen Ausblick auf die Rummelsburger Bucht, die so nicht mehr existiert. Dieser Ort wurde von unterschiedlichen Menschen bewohnt, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum und nach Freiraum waren. Sie haben sich dort sesshaft gemacht und sich ein Zuhause geschaffen. Inzwischen haben Privatisierung und Spekulationen dazu geführt, dass viele der Menschen verdrängt wurden. Die Fotografie zeigt die Bucht und die selbstbestimmte Lebensweise von Menschen in ihren improvisierten Bauten auf dem Wasser.
Fabian Schubert bezieht sich auf die unmittelbare Umgebung der Plakatwand. Diese befindet sich vor einem Heizkraftwerk. Die Fotocollage zeigt die Schornsteine des Kraftwerks. In der Umgebung befindet sich zudem eine weitere Plakatwand, die nicht mehr für Werbezwecke genutzt wird. Auch sie ist auf Fabian Schuberts Bild zu sehen. Auf der Fotocollage erscheint darauf erneut eine Abbildung der Schornsteine, die jedoch mittels künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Somit greift er auf eine Technik zu, die auch von der Werbeindustrie genutzt wird und reflektiert über die Sinnhaftigkeit deren Botschaften.
Die Abbildung einer Plakatwand auf der Plakatwand wirft auch die Frage nach genau diesem Medium auf. Was ist üblicherweise auf Plakatwänden zu sehen? Werbung ist darauf willkommen, sie als Ort für eine Kunstausstellung zu nutzen, ist jedoch mit Hürden verbunden. Auch hier stellt sich die Frage: Wem gehört die Stadt?
